Fashion
Wellen, die nie dasselbe Muster zeichnen
Bienvenue sur la Côte Atlantique
LIFESTYLE | ||
Nächster Halt: Biarritz. Gut vier Stunden sind vergangen, seit der TGV Atlantique am Bahnhof Paris-Montparnasse gestartet und wie ein Pfeil durch Westfrankreich geschossen ist, nun fährt der Zug schnaubend in der Metropole des französischen Teils des Baskenlands ein, und beim Öffnen der Türen bemerkt man schon: Die Luft ist eine andere – frischer, salziger und herber.
Biarritz! Wo Westeuropa ins Kantabrische Meer übergeht, danach kommt lange nichts, dann irgendwann Amerika. Hier ist man anderswo – wie so oft, wenn man am Meer ankommt. Es öffnet sich nicht nur der Horizont, sondern auch der Geist. Man sitzt am Ufer, bestellt sich einen kühlen Izarra oder ein Glas Irouléguy – und beginnt, nachzudenken. Über das, was sich im Leben ändern sollte, und das, was bitte so bleiben darf, wie es ist.
Ein Ding, das sich nie ändert – zum Glück! –, ist das Kommen und Gehen der Gezeiten, die an den Küsten der Meere wirken. Zweimal am Tag sorgen Ebbe und Flut für den Rhythmus, der dem Leben an der Küste eigen ist. Zwar verschiebt sich das Spektakel, verursacht durch die Anziehungskräfte von Mond und Sonne in Kombination mit der Erdrotation, immer ein wenig, aber das macht es ja gerade spannend: Es ist immer gleich, aber auch immer anders.

So sprechen wir auch diesen Sommer 2026 von den immer gleichen Themen: Smart Casual, entspannter Luxus, natürliche Eleganz, unaufgeregte Noblesse, frische Leichtigkeit, Meeresbrise usw. Die Zutaten sind bekannt, doch der Cocktail, der daraus angerichtet wird, ist nicht immer derselbe. Er schmeckt je nach Wind und Wetter anders – im übertragenen Sinne: Je nach Lebensgefühl und gesellschaftlicher Grosswetterlage kann es ganz anders aussehen.
Die Garderobe dieses Sommers ist vordergründig die gleiche wie vor einem Jahr. Vielleicht sieht sie auch recht ähnlich aus wie jene von vor drei Jahren. Klassik trifft Sportswear, wie schon seit geraumer Zeit. Die Casualisierung ist der rote Faden unserer Zeit. Aber wer sich die Fotos von vor sechs oder zehn Jahren anschaut, der merkt: Da hat sich schon etwas verändert. Da ist ein anderer «Groove». Und wer zwanzig Jahre zurückspult, der merkt: Fast alles ist heute anders – nicht nur die Frisuren und Brillen!
Für Männer ist das im Prinzip eine gute Nachricht: Man braucht sich nicht jede Saison neu zu erfinden. Schliesslich ist Nachhaltigkeit – und damit eine verlängerte Nutzungsdauer von Kleidung – auch ein Gebot der Stunde. Dennoch: Der Teufel steckt im Detail. Es lohnt sich, auf aktuelle Schnitte und eine perfekt sitzende Passform von Anzug, Hosen und Co. zu achten und der Garderobe mit neuen Trendteilen neue Frische zu verleihen.
Denn wer zu lange beim Modekarussell aussetzt, der verpasst irgendwann den Anschluss. Sonst steht man plötzlich in seinem bunt bedruckten Viskosehemd und den baggy Bermudas am Zielbahnhof und merkt: Hier weht nun doch ein anderer Wind! Die spazieren hier ja ganz anders herum als auf den Fotos von damals. Richtig: Nicht nur zu Hause, sondern auch hier hat sich die Welt verändert. Aber das muss so sein. Und nun schöne Ferien! Passen Sie gut auf, denn es soll auch Springfluten geben …
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