Lifestyle
DIE KUNST DES SCHÖNEN LEBENS
Warum Bayern mehr ist als ein Reiseziel
Manche Orte entfalten ihre Wirkung nicht auf den ersten Blick. Sie schleichen sich leise ins Leben und bestehen noch lange, nachdem man sie wieder verlassen hat. So ging es mir mit Bayern. Ich habe das deutsche Bundesland nicht als Touristin kennengelernt, sondern während der Dreharbeiten zur ARD-Serie «Sturm der Liebe». Was zunächst nur ein Drehort war, wurde Alltag. Erst mit etwas Abstand habe ich verstanden, dass es nicht die Sehenswürdigkeiten waren, die geblieben sind, sondern ein Lebensgefühl, das selbst gewöhnliche Tage besonders macht.

Für mich wurde dieses Lebensgefühl vor allem
in München greifbar. Kaum eine andere Stadt verbindet Urbanität und Gelassenheit so mühelos. Morgens wandert das erste Licht über die Fassaden der Altstadt, vor den kleinen Cafés werden auch im Winter die Stühle mit Decken nach draussen gestellt, Menschen bleiben vor den Schaufenstern der Maximilianstrasse stehen, als hätte der Tag noch keinen Grund zur Eile. Wenige Schritte weiter öffnet die Alte Pinakothek, eine der ältesten Kunstgalerien der Welt, ihre Türen. Am Abend füllt sich die Bayerische Staatsoper, deren Operntradition bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Kultur wirkt hier nie wie ein Programmpunkt, sie gehört ganz selbstverständlich zum Alltag.
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Zwischen Schickeria und Hochkultur bewahrt sich München eine Leichtigkeit, die niemals abgehoben wirkt. Dass die Stadt seit Jahrzehnten Kunstschaffende, Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Kreative anzieht, überrascht kaum. Persönlichkeiten wie Annette Weber, Elyas M’Barek und Senta Berger stehen exemplarisch für diese Verbindung aus Weltläufigkeit und Gelassenheit, die die Stadt seit Jahrzehnten prägt. Nur wenige Kilometer weiter verändert sich die Kulisse. Der Tegernsee gehört für mich zu den schönsten Orten Bayerns. Ich bin während meiner Zeit immer wieder dorthin gefahren, ohne besonderen Plan, vielleicht gerade deshalb. Im Winter liegt das Licht flach über dem Wasser, die Berge zeichnen sich klar gegen den Himmel ab, und rund um den See scheint die Zeit ein wenig langsamer zu vergehen. Bemalte Fassaden und Chalets im bayerischen Oberland strahlen eine Wärme aus, die bis heute geblieben ist. Nicht weit entfernt liegt der Starnberger See, an dem Kaiserin Elisabeth aufwuchs.
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Seit meiner Kindheit gehören die Sisi-Filme für meine Mama und mich zu jedem Weihnachtsfest. Wahrscheinlich fühlt sich diese Landschaft auch deshalb so vertraut an. Spätestens beim Anblick von Schloss Neuschwanstein versteht man, warum Bayern bis heute wie kaum eine andere Region für Romantik und märchenhafte Schönheit steht. Genau dieses Zusammenspiel aus Geschichte, Natur und städtischem Leben macht Bayern für mich so besonders. Vormittags durch den verschneiten Englischen Garten spazieren, mittags in Schumann’s Tagesbar die Schickeria beobachten, danach über den Weihnachtsmarkt bummeln und den Nachmittag am Starnberger See ausklingenlassen.

Dieses besondere Lebensgefühl spürt man überall: in der Architektur, in den Strassen und in der Art, wie die Menschen sich kleiden. Vielleicht ist es gerade deshalb kein Zufall, dass mich Bayern an gute Mode erinnert – an einen Mantel, der perfekt sitzt; an einen Kaschmirpullover, der auch nach Jahren noch Freude bereitet; an Materialien, die mit der Zeit an Charakter gewinnen, statt zu verblassen. Ich denke noch oft an meine Zeit in München zurück, vor allem im Winter. In Bayern habe ich verstanden, dass Stil nichts mit Lautstärke zu tun hat und Qualität nie aus der Mode kommt. Genau das ist der Unterschied zwischen einem schönen Reiseziel und einem besonderen Ort: Das eine besucht man, das andere trägt man lange mit sich.

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