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TALK TO LISA FELDMANN

LISA FELDMANN

 

Ganz nah an der Leserin. «Elle», «Cosmopolitan», «annabelle» – LISA FELDMANN prägt seit über 20 Jahren die Medienlandschaft für Frauenzeitschriften von der Chefetage aus.

Wer schreibt, der bleibt: Lisa Feldmann hat Massstäbe gesetzt, bei «annabelle» (r.) wie auch kürzlich bei der «Interview» (o.), immer als Chefredaktorin

Beinahe zehn Jahre lang war die gebürtige Deutsche Chefredaktorin der grössten Schweizer Frauenzeitschrift, der «annabelle». 2013 übernahm sie die Chefredaktion der deutschen Ausgabe von «Interview», seit Juli 2015 entwickelt sie eine Ausgabe von «L’OFFICIEL» für den deutschen Markt, die im November dieses Jahres zum ersten Mal erscheinen wird.

 

THE LOOK: Lisa Feldmann, Sie haben sehr erfolgreich die «annabelle » als grösste Schweizer Frauenzeitschrift positioniert. Was wollen Frauen lesen?

 

LISA FELDMANN: Ich kann Ihnen sagen, was die Leserinnen der «annabelle » lesen wollen – und dabei deutlich machen, dass es sich in mancherlei Hinsicht unterscheidet von dem, was Leserinnen der «Elle», der «Cosmopolitan» oder anderer Titel lesen wollen. Man sollte also vorsichtig sein, dies über einen Kamm zu scheren. Die Leserin der «annabelle» ist eine gut gebildete, erwachsene Frau, die meist in Grossstädten oder deren direkter Umgebung lebt. Sie ist vielseitig interessiert und aufgrund ihrer guten Ausbildung schon lange nicht mehr von jedem Hype zu begeistern. Sie sucht den coolen neuen Schuh genauso wie die Unterstützung in ihren alltäglichen Work-Life-Balance- Lebensfragen; sie liest eine interessante Reportage genauso gern, wie sie den Modeteil durchblättert oder sich über die neuesten Lippenstifte informiert.

 

Welche Daseinsberechtigung haben heute Frauenmagazine? Eigentlich verkauft man darin ja Träume, den schönen Schein, eine Welt, die so nicht wirklich existiert.

 

Das kann man so pauschal nicht sagen, grundsätzlich ist das sogar eher falsch. Die meisten Frauenmagazine behandeln Themen, die sich sehr wohl mit dem Leben ihrer Leserinnen befassen – auch wenn die Inhalte deren Alltag nicht unbedingt eins zu eins abbilden. Zunehmend finden sich in den Frauenzeitschriften auch wieder mehr ernste Themen. Die US-Ausgabe der «Vogue» hatte in ihrer Juni-Ausgabe das Porträt einer ISIS-Sympathisantin und das Porträt von sechs Brüdern, die mitten in New York auf bizarre Weise aufgewachsen sind: Ihre Eltern haben ihnen jeden direkten Kontakt zur Aussenwelt verboten. Solche Reportagen vertragen sich prima mit den fröhlichen Strohhüten, die Léa Seydoux einige Seiten zuvor präsentiert.

 

Als Chefredaktorin ist man für mehr als nur für die Mode verantwortlich, man entscheidet über die gesamte Themenvielfalt eines Magazins. Haben Sie Lieblingsthemen?

 

Die Mode gehört tatsächlich zu meinen Lieblingsthemen. Ich habe ja erst in den 90er-Jahren meine feuilletonistischen Wurzeln eher zufällig verlassen, um in die Welt der Frauenmagazine zu geraten. Damals fand ein interessanter Diskurs statt über das Thema, man begann, sich auch intellektuell mit der Mode auseinanderzusetzen. Mode wurde plötzlich als kultureller Beitrag gewertet, wie Kunst, Kino, Theater oder eben Literatur. Das begeistert mich bis heute! Dennoch habe ich auch noch andere Lieblingsthemen: Kultur, aber auch Reisen und tatsächlich Beauty – wenn man den Begriff weiter fasst, wird er auch gleich wieder spannend, denn unser «Well-Being» wird doch jeden Tag immer wichtiger. Und dann interessiert mich natürlich alles, was Frauen bewegt, privat und politisch, das geht ja gar nicht anders.

 

Sie haben während Ihrer gesamten Karriere sehr viele prominente Menschen getroffen, sind mit vielen Modedesignern auf Du und Du. Gibt es einen oder eine, die Ihnen als Mensch besonders gut gefällt?

 

Mir fallen sofort ein paar Namen ein, besonders jene, die über die Jahre auch Wegbegleiter wurden. Das sind vor allem Fotografen, mit denen ich immer wieder gearbeitet habe: Brigitte Lacombe, Martin Schoeller, Jürgen Teller, Walter Pfeiffer. Unter den Designern kenne ich nur wenige wirklich gut, und das sind eher die schwierigen Charaktere. In guter Erinnerung sind mir Alexander Wang oder Roberto Cavalli, besonders auch die Familie Missoni und Tommy Hilfiger. Aber auch die komplizierteren Typen habe ich eigentlich sehr gemocht, schliesslich muss man mit Kreativen immer ein wenig mehr Geduld haben …

 

Und wenn es nach der Mode ginge, welchen Designer tragen Sie am liebsten und warum?

 

Alles, was Phoebe Philo macht, könnte ich blind kaufen. Das war schon so, als sie noch für Stella McCartney entworfen hat. Jetzt bei Céline ist es genauso. Ich mag aber auch Dries Van Noten sehr und Marni, immer noch Prada, und sicher bald wieder Gucci: Von dem neuen Designer halte ich sehr viel!

 

Saison für Saison, Jahr für Jahr neue Trends – sind Sie der Meinung, man muss alles mitmachen?

 

Jede Frau und jeder Mann sollte irgendwann für sich herausfinden, welche Haltung sie oder er genau zur Mode einnehmen will. «Jeden Trend mitmachen»: Das wird immer gleich so negativ gesehen, als habe man gar keine eigene Meinung, sei ein Blatt im Wind. Dabei kann es doch auch heissen: Man bleibt neugierig, interessiert sich für Neues. Genauso gut kann man aber auch für sich entscheiden, dass die eigene Neugier sich auf andere Gebiete konzentriert, und die Mode als klassisches Basislager betrachten.

 

Sie können sich im Moment die Storys regelrecht aussuchen, sind eine gefragte Journalistin. Welche Geschichte möchten Sie unbedingt schreiben?

 

Es gibt noch viele ungeschriebene Geschichten – meine eigenen Ideen werde ich aber hier sicher nicht verraten!

 

Werden Sie wie so viele Ihrer Zunft auch irgendwann einmal ein Buch schreiben?

 

Ich war im vergangenen Jahr an einem sehr spannenden Buchprojekt beteiligt, das mir aber auch meine Grenzen aufgezeigt hat. Ich komme ja von der Literatur, habe das einmal ernsthaft studiert und ich bin bis heute eine begeisterte Leserin, da bleibt man bescheiden.

 

Was langweilt Sie?

 

Wiederholungen aller Art. Einzige Ausnahme: Die Serie «Friends» – da schaue ich bis heute alte Folgen auf dem iPad an.

 

 

Anmerkung der Redaktion: Als nächste Herausforderung wird Lisa Feldmann die deutsche Version der französischen Luxuszeitschrift «L’OFFICIEL» in den deutschen Markt einführen.

Mehrere Farben erhältlich

Aus dem Lexikon:

Nude

Nude heisst übersetzt nackt. Als Nude werden alle Hautfarbe-ähnlichen (von offwhite über creme und beige bis zu hellem Braun) Kleidungsstücke bezeichnet.

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