Kostenloser Versand
21 Tage Rückgaberecht
Kauf auf Rechnung
Kostenlose Rückgabe in den Filialen

Interview mit Andrés Velencoso

Mister Casual auf Abwegen

Markus Deisenberger
Von
Markus Deisenberger
,
Redakteur

Andrés Velencoso ist nicht nur eines der berühmtesten männlichen Models der Welt, er ist zudem mit Kylie Minogue liiert und versucht sich neuerdings auch als Schauspieler. Mit Erfolg. Ein Gespräch über Berühmtheit und ihre Begleiterscheinungen.

 

THE LOOK MAGAZINE: Sie sind eines der führenden Models Ihrer Generation. Spüren Sie eine spezielle Verantwortung jüngeren Kollegen gegenüber, die gerade erst in den Beruf einsteigen?

Andrés Velencoso: Zu mir kommen immer wieder junge spanische Models, die sagen, ich wäre eine Inspiration für sie gewesen. Insofern hab ich wohl einige Türen geöffnet. Aber spezielle Verantwortung spüre ich deshalb keine. Wann immer es mir möglich war, habe ich versucht, Jüngeren zu helfen, Tipps zu geben, weil ich das damals schmerzlich vermisst habe. Als ich anfing, gab es keine spanischen Models, zu denen ich aufschauen hätte können.

 

Sie hatten keine Role Models?

Nein, ich bin einfach meinem Instinkt gefolgt. Und wenn ich mit älteren Kollegen arbeitete, beobachtete ich genau, was die machten. Viel in diesem Business hat damit zu tun, die Augen offen zu halten und ein Gespür dafür zu entwickeln, wo deine wichtigsten Märkte sind.

 

Und wo sind Ihre wichtigsten Märkte?

(lacht) Das verändert sich über die Jahre stark. New York war immer sehr wichtig für mich und wird es wohl auch bleiben. Die Amerikaner sind viel offener als wir Europäer. Da werden dir Möglichkeiten geboten. Dann kam Paris. Heute ist Spanien ebenfalls wieder angesagt. Wenn du im Ausland Erfolg hast, wird es auch zu Hause leichter.

 

Es gibt dieses Sprichwort, dass der Prophet im eigenen Lande nichts gilt.

Genau. Das aber hat sich stark geändert. Ich bin überglücklich, heute in Spanien gefragt zu sein.

 

In «Fin», einem knallharten Thriller, haben Sie sich als Schauspieler versucht. Wie ernst war es Ihnen mit diesem Engagement?

Sehr ernst. Ich wollte es immer schon probieren, aber vor etwa vier Jahren fing ich dann wirklich ernsthaft mit dem Schauspielern an. Dass ich die Rolle für den Film bekam, war klasse.

 

Wie schwer oder leicht war der Umstieg vom Catwalk zum Film-Set?

Sehr schwer. Dass das Modeln auch eine Art von Schauspielerei sei, ist nichts weiter als ein dummer Spruch. Das sind völlig verschiedene Welten. Und vielleicht gibt es einige Leute, die dafür mehr natürliches Talent mitbringen als andere, aber ein Riesenanteil setzt sich aus gezieltem Training von Körper und Geist zusammen: Rollenstudium, Stimmtraining etc. Das ist ein echter Job und ein harter obendrein. Zu Leuten, die das gut machen, kann man nur eines sagen: Chapeau!

 

Sind weitere Ausflüge in die Filmbranche geplant?

Das wäre toll, ja. Ich hoffe, dass es mit der Filmkarriere weiter geht. Es gab auch schon einige Angebote, aber darunter war nichts, was mir wirklich zusagte. Die Zukunft wird zeigen, wohin es mich noch verschlägt. Mal sehen. Die Zeiten in Spanien sind schwierig. Und daher hat es auch das gesamte Film-Business nicht leicht: Es gibt weniger Produktionen, und viele Schauspieler sind arbeitslos. Ich bin überglücklich, meinen Job als Model zu haben und Rollen, die ich nicht mag, ausschlagen zu können. Das ist ein unfassbares Privileg.

 

Sie wurden in Tossa de Mar geboren. Haben Sie noch eine Beziehung zu diesem Ort, die Sie pflegen?

Ja, wann immer es geht, kehre ich dorthin zurück. Ich habe zehn Jahre in New York gelebt, da war es schwierig. Aber seit ich in London wohne, ist es leichter geworden, auch einmal kurz zwischen zwei Jobs vorbeizuschauen, um meine Familie zu sehen.

 

Ist es aufgrund der Berühmtheit nicht auch oft schwer ein «normales» Leben zu führen?

Manche Dinge, die ich früher tun konnte, sind jetzt nicht so gut möglich. Etwa in die Beach-Bar gehen und mit meinen alten Freunden ein Bier trinken. Wenn innert einer halben Stunde zehn Leute ein Foto mit dir haben wollen, fängt es an, nervig zu werden.

 

Vielen Menschen, die nichts mit Mode zu tun haben, sind Sie als Freund von Kylie Minogue ein Begriff. Stört Sie diese zusätzliche Bekanntheit?

Eigentlich nicht. Meistens sind die Leute auch respektvoll. Ein Paparazzi-Problem gibt es nur in London und Madrid. In Barcelona geht es da wesentlich gemütlicher zu. Aber auch in Madrid kann man Vorkehrungen für das eigene Wohlbefinden treffen. Da gilt es dann einfach gewisse Orte, an denen viele berühmte Leute verkehren, zu meiden. Stay quiet, stay local – dann klappt das schon.

 

Was tragen Sie privat?

Casual. Meistens Jeans und T-Shirt. Aber es hängt auch davon ab, wo ich bin. In Mexiko trage ich andere Sachen als in New York. Ist Ihre Kleidung ortsabhängig? Klar. Das ist doch das Tolle am Reisen, die Vibration zu spüren und sie in die Kleidung aufzunehmen.

 

Was trugen Sie bei Ihrem ersten Date mit Kylie?

(überlegt lange) Daran kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Aber da wir uns bei einem Shooting kennenlernten, wahrscheinlich auch T-Shirt und Jeans.

 

Hatten Sie in der aktuellen Kollektion ein Lieblings-Outfit?

Ja, bemerkenswerterweise meinen zweiten, sehr klassischen Look. Denn obwohl ich Anzüge nur trage, wenn ich muss, gefiel ich mir dieses Mal mit Weste und Masche. In London, wo ich lebe, sieht man viele klassisch gekleidete Menschen. Das färbt wohl langsam auf mich ab.

Mehrere Farben erhältlich