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Interview: Johannes Huebl

Ein Anzug, wie ihn Johannes Huebl schätzt: elegant und stylish zugleich.

Noch schnell einen Kaffee und ein SMS an Freundin Olivia Palermo.

Preppy Chic

Johannes Hübl ist Germany´s männliches Top-Model schlechthin. Ohne «Next». Ein Gespräch über japanischen Charme, Berufsklischees und die Kirche im modischen Dorf.

 

THE LOOK MAGAZINE: Sie haben eine Zeit lang in Tokio gelebt. Eine positive Erfahrung?

Johannes Huebl: Nur positiv, wenngleich ich genau zwei Monate, nachdem ich «Lost In Translation» gesehen hatte, dorthin ging und aufgrund des Films anfangs schon ein bisschen verunsichert war.

 

Und dann war es noch wahnsinniger, als es Sofia Coppolas Film jemals abbilden hätte können, oder?

Genau. Tokio ist ja auch die einzige Metropole, in der die Kommunikation sehr eingeschränkt ist. Es ist ja nicht einfach so, dass man ein Taxi nimmt und sich dabei leicht verständlich machen könnte, da nur die wenigsten Taxifahrer Englisch sprechen. Ein deutscher Kollege hat mir dann ein Fahrrad geschenkt, woraufhin ich Tokio mit dem Fahrrad zu erkunden begann.

 

Sie fahren ja auch in Brooklyn Rad. Ich hoffe, Sie sind gut versichert.

(lacht) Das ist nicht ohne, ja. Zurzeit läuft gerade «Premium Rush» in den amerikanischen Kinos, ein Film über einen Fahrradkurier, der in kriminelle Machenschaften verstrickt wird. Da sieht man recht gut, welchen Gefahren man im New Yorker Strassenverkehr ausgesetzt ist. Gerade Taxifahrer sind oft sehr rabiat. Ich fahre aber nur am Wochenende, da ist es deutlich entspannter.

 

Was kann man als Europäer von der japanischen Lebensart lernen?

Ruhe, Disziplin und Höflichkeit. Auch die professionelle Arbeitsweise hab ich schätzen gelernt. Andererseits hat man an einem Set wie diesem mehr als doppelt so viele Leute. Da weiss man manchmal nicht, wer welchen Job macht, weil es fünf Stylisten, sechs Make-up-Artists gibt und fünfzehn Leute auf den Monitor schauen. Aber letztlich ist das alles sehr charmant.

 

Brooklyn gilt als die Hipster-Metropole schlechthin. Was waren Ihre Gründe, dorthin zu ziehen?

Die erschwingliche Miete. Als ich frisch von der Uni nach New York kam, wusste ich noch nicht, ob ich mich auch tatsächlich darauf einlassen wollte, dort dauerhaft zu leben. Da kam mir eine günstige Wohngelegenheit sehr entgegen. Eine Freundin hatte ein wunderschönes Appartement in einem alten Haus in Brooklyn Heights, in dem sie mir ein Zimmer überliess. In einer von Platanen gesäumten Strasse mit diesen klassischen Paul Auster Brownstones. Sehr idyllisch. Mittlerweile wohne ich zwischen den beiden Brücken, nahe am Wasser. Dass ich Brooklyn die Treue gehalten habe, hat aber vor allem damit zu tun, dass einen diese Distanz zu Manhattan auch mal zur Ruhe kommen lässt. Da ist nicht ständig dieses gewaltige Brummern und Rauschen, wenn man nachts mal das Fenster öffnet.

 

Wir haben gelesen, dass Sie nie klassische Werbung machen würden. Stimmt das?

Insofern, als ich schon für Mercedes geworben habe, nicht ganz. Aber ich würde nicht für Ketchup oder Suppenwürze werben.

 

Warum nicht?

Weil ich das nicht verkörpere und es nicht meinem Image entspricht. Neulich wurde ich z.B. von der Schuhfirma Scarosso gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Ich habe diese Schuhe schon vor der Anfrage gerne getragen und freue mich natürlich über das Angebot. Dadurch wirke ich auch glaubwürdig – nicht so wie manche Kolleginnen, die im deutschen Fernsehen einfach für alles werben.

 

Wie kamen Sie zur Fotografie, Ihrem grossen Hobby?

Als ich in Deutschland Kulturwissenschaften studierte, gab es Kurse, in denen man viel über Theorie und Geschichte der Fotografie erfuhr. Und dann ganz offensichtlich durch meinen Job: Ich habe mir beim Arbeiten mit berühmten Fotografen einigen Rat von ihnen eingeholt und mich inspirieren lassen. Mal sehen, ob ich mich eines Tages ganz der Fotografie widmen kann. Gerade eben habe ich mein erstes Magazin-Cover fotografiert. Ich stehe also noch am Anfang dieser Maschinerie und habe enormen Respekt.

 

Inwiefern?

Ich habe grosses Glück, als Model so erfolgreich zu sein. Um in der Fotografie auf das gleiche Niveau zu kommen, muss ich fast ganz von vorne anfangen. Dazu gehören nicht nur Handwerk und Können, ein «ästhetisches Auge», sondern auch ein entsprechendes Netzwerk und ein guter Stern. Die Luft an der Spitze der Top-Fotografen ist sehr dünn.

 

Gemeinsam mit Ihrem Bruder, einem Philosophen, haben Sie den einen oder anderen Auftritt in deutschen Talk-Shows zum Thema «Geschwister mit unterschiedlichen Berufen» absolviert. Klingt ein wenig nach Klischee …

Finde ich nicht. Ausserdem hat es viel Spass gemacht. Wir sind nicht nur zwei von drei Brüdern, sondern auch beste Freunde. Und so haben wir uns gegenseitig die Bälle zugespielt. Klischees gibt es doch überall. In jedem Job: gierige Banker, meckernde Journalisten … Mein Bruder als Philosoph widerlegt das Klischee des vergreisten Schriftenlesers ganz gut.

 

Widerlegen Sie denn die Klischees, die man mit dem Model-Beruf verbindet?

Ach, das glaube ich schon, wenn Sie auf zwei typische Model-Vorurteile anspielen. Ich esse regelmässig und gerne und bin auch, was die Schulausbildung anbelangt, nicht zu kurz gekommen.


Was hätten Sie gemacht, wenn Sie nicht entdeckt worden wären?

Ich hätte vielleicht Schauspiel studiert. Ich war schon mal kurz davor, mich an der Schauspielschule in München zu bewerben, hab aber dann doch nicht den Mut gehabt. Was ich heute aber keinesfalls bereue. Es ist schon alles gut so, wie es gekommen ist.

 

Was tragen Sie eigentlich privat?

Ich ziehe mich eher konservativ an. Manche nennen es «Preppy Chic». Vieles davon, was in meinem Schrank hängt, ist trendunabhängig. Das lässt sich auch in zehn Jahren tragen – zumindest was Farbe und Schnitt von Hemden und Anzügen betrifft.

 

Wie gross ist dieser Kleiderschrank?

(lacht) Als Mann muss man da die Kirche im Dorf lassen, sonst macht man sich schnell lächerlich. Er hat noch eine gesunde Grösse und ist klar sortiert, jetzt kommen bald vier neue Marc Anthony Hamburg Anzüge dazu.

 

Vielen Dank für das freundliche Gespräch.

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